Kreuzberger Salon 78 | Maschinen-Zoo

Maschinen-Zoo
Künstlergespräch mit BBM über ihre multimediale Inszenierung EPKOT

»Sechs sprechende Roboter-Hunde leben in dem Maschinen-Zoo EPKOT. Ihr Käfig ist klinisch sauber und strahlend hell. Es gibt keine Gitter. Sie sind rundum von Videowänden umgeben: 100 Quadratmeter virtuelle Welt.

Sogar die Sterne am Himmel sind bloß Pixel. Der Bildschirm ist die Grenze ihrer Welt. Was draußen vor sich geht: Darüber wissen sie nur, was im Internet steht. Wenn Zuschauer hereinkommen, um sie zu besuchen, erzählen sie ihnen von ihrem Job, von den Regeln, nach denen sie arbeiten. Sie sind Killerroboter und finden das völlig normal.«

So einige Zeilen aus der Beschreibung der aktuellen Inszenierung EPKOT der Künstlergruppe BBM. Sie ist gegenwärtig im Rahmen der Ausstellung Konstruktion der Welt: Kunst und Ökonomie[1] in der Kunsthalle Mannheim zu sehen. EPKOT ist das Akronym aus Experimental Prototype Killers of Tomorrow. BBM steht für Beobachter der Bediener von Maschinen und damit für die Programmatik dieser deutschen Pioniere der Robot-Art, einem 1989 gegründeten und auf der EXPO 2000 international in Erscheinung getretenen Kollektiv[2], das nicht erst durch die jüngsten UN-Debatten auf die Gefahr durch autonome Tötungsmaschinen aufmerksam wurde.

»Wie im gleichnamigen Disney-Land geht es in EPKOT um unser Leben in der nahen Zukunft. Im smarten Erlebnispark […] gehört das Töten zum Alltag. Mitleid ist eine unbekannte Einstellung. Ein Fehler im Algorithmus. Selbstverliebt gleichen die Maschinen ihre ›kill-lists‹ ab, loben die Konzerne, die sie hergestellt haben, und zählen ihre Fans auf Facebook.

EPKOT zeichnet ein ironisches, aber nicht realitätsfernes Bild Europas im Jahr 2019. Das Forschungsprogramm TALOS hat einigen geländegängigen Roboterfahrzeugen der Schengener Grenzschutztruppen eine gefährliche Form von Intelligenz beigebracht. Mit Software werden die potenten Mini-Panzer dazu abgerichtet, in Meuten-Formation Menschen zu hetzen. Autonome Flugmaschinen steuern die Roboter-Hunde: Drohnen mit vielsagenden Namen wie ›Reaper‹ (Sensenmann) oder ›Predator‹ (Raubtier). Alles dient der Sicherheit in der ›Festung‹. Die Wirtschaft freut sich über den enormen Umsatz. Man spricht bereits von einer ›Migrationsindustrie‹. Niemand, so scheint es, hat etwas einzuwenden. Denn, so das Versprechen: Nur mit Hilfe von Hochtechnologie kann der ›Tsunami der Einwanderung‹ gestoppt werden.«

bbm.de
Kunsthalle Mannheim

 


[1] Kunsthalle Mannheim, bis 4. Februar 2019.
[2] BBM 2018 sind Olaf Arndt, Janneke Schönenbach, Lars Vaupel, Stephan Kambor-Wiesenberg, Stefan Schürmans, Julia Eisenberg, Ole Wulfers, Benjamin Goldschmidt.

Foto: © Hardy Müller, Mannheim 2018

 

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