Kreuzberger Salon 76 | İstanbul: Land_Macht_Stadt

Offizielle Zeremonie zur Eintragung einer anatolischen Landbesetzerin ins städtische Grundbuch, 11.4.1960, Fotograf unbekannt, Archiv der Tageszeitung CUMHURIYET

İstanbul: Land_Macht_Stadt

Die AKP, hegemoniale Regierungspartei der Türkei im 21. Jahrhundert, wurde medial lange mit »moderatem euro-kompatiblem Islam« identifiziert. Mit ihrer politischen Wende, die seit 2015 allen offenkundig geworden ist, meint man jedoch die türkisch-nationale Variante des globalen Rechtspopulismus zu erkennen.

Orhan Esen, Sozial- und Wirtschaftshistoriker, liest die sozio-ökonomischen Grundlagen dieser Bewegung in der Urbanisierungsgeschichte seiner Heimatstadt İstanbul: Die anatolisch-ländliche Migration in die Großstadt, die kollektive Aneignung der Ressource »urbaner Boden« sowie die kreative, bedarfsorientierte Stadtproduktion durch die ehemaligen Bauern und das Ankommen in der dritten Generation bilden die Etappen seiner Hintergrunderzählung. Er zeigt auf, wie sich diese neue Mittelklasse mit migrantischem Hintergrund, die in Konkurrenz zur alt-städtischen Mittelklasse steht, sozial, wirtschaftlich und schließlich auch politisch durchzusetzen vermag.

 

Fotos: Courtesy Orhan Esen

 

• Self Service City: İstanbul, hg. von Orhan Esen und Stephan Lanz, Berlin 2005
• Orhan Esen, »Seiltänze des Mittelstandes in der sich spaltenden Stadt İstanbul«, dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Okt.–Dez. 2010, No. 40/41, S. 169–177

 

Weitere Veranstaltungen mit Orhan Esen
• 13. Oktober 2018, 11 Uhr: »Zur Bodenfrage in Südosteuropa«, urbanize! Internationales Festival für urbane Erkundungen, Vierte Welt (Studio)
• 2. November 2018, 19 Uhr: Doppelfilmvorführung (My Father’s Wings von Kıvanç Sezer;
Walking Tarlabaşı von Christine Schörkhuber und Verena Mayrhofer) mit Diskussion, ZK/U – Speisekino

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